Vertrauen gewinnen: AG-Gespräch mit dem Religionsbeauftragten Thomas Rachel – Appell von Bischof Bätzing beim St.-Michael-Empfang!

Religion als Stifter von Frieden und Vertrauen nutzen:

Religion spielt für 85% aller Menschen weltweit eine wichtige Rolle in ihrem Leben. Deshalb ist Religion in den meisten Ländern der Welt ein wichtiger Türöffner und ein Schlüssel, um das Vertrauen von Gesprächs- und Verhandlungspartnern zu gewinnen. Vertreterinnen und Vertreter von Kirchen und anderen religiösen Institutionen haben oft als einzige einen Zugang zu Konfliktparteien und Krisenregionen und insofern ein großes friedensstiftendes Potential. Deshalb sollte Religion eine strategische Rolle in der deutschen Außen- Sicherheits- und Entwicklungspolitik spielen.

Der neue Religionsbeaufgtragte der Bundesregierung Thomas Rachel erklärte uns in unserer Menschenrechts-AG am Dienstag, dass er es als ein wichtiges Ziel seiner Arbeit ansieht, diese Rolle der Religion zu stärken, nachdem die Expertise in diesem Bereich unter der Ampelregierung leider stark vernachlässigt wurde. Auch der Diplomatennachwuchs sollte in der Ausbildung frühzeitig für das Thema sensibilisiert werden.

Religionsfreiheit als Gradmesser für Freiheit und Demokratie

Gleichzeitig ist Religions- und Weltanschauungsfreiheit ein wichtiger Gradmesser für Freiheit und Demokratie. Denn wo sie eingeschränkt wird, werden in der Regel auch andere grundlegende Menschenrechte und Freiheiten missachtet. Deshalb will Thomas Rachel eng mit dem Menschenrechtsbeauftragten Lars Castellucci zusammenarbeiten, der ebenfalls im Auswärtigen Amt angesiedelt ist.

Religionsfreiheit weltweit unter Druck

Alarmierend ist, dass die Religionsfreiheit weltweit immer stärker unter Druck gerät. Immer mehr Menschen werden wegen ihrer Religion oder Weltanschauung systematisch verfolgt oder diskriminiert. Das betrifft Millionen von Christen weltweit, wie die Organisation Open Doors feststellt, muslimische Uiguren, buddhistische Tibeter und Falungong-Anhänger in China, muslimische Rohingya in Myanmar, Bahai-Gläubige im Iran und immer mehr Jüdinnen und Juden, die weltweit unter wachsendem Antisemitismus leiden – um nur einige Beispiele zu nennen.
Auch in Syrien sind religiöse Minderheiten wie Christen und Drusen nach dem Machtwechsel in einigen Regionen stark gefährdet. Und in Russland wird Religion als politisches Machtinstrument missbraucht und der Angriffskrieg gegen die Ukraine als „Heiliger Krieg“ verklärt.

Thomas Rachel setzt sich als Religionsbeauftragter deshalb intensiv dafür ein, den verfolgten religiösen Minderheiten eine Stimme zu geben und ihre Rechte zu verteidigen.

Bericht zur weltweiten Religionsfreiheit wichtige Datengrundlage

Um die Entwicklung der Religionsfreiheit weltweit zu untersuchen, legt der Religionsbeauftragte alle zwei Jahre einen Bericht vor, der eine wichtige Datengrundlage für die Politik darstellt, wie eine Experten-Anhörung im Menschenrechtsausschuss zum dritten Bericht im letzten Jahr bestätigt hat. Der vierte Bericht ist in Arbeit. Die Berichte und die Schlussfolgerungen daraus sollen dann auch wieder im Plenum diskutiert werden, was leider unter der Ampelregierung versäumt worden war.

Im Gespräch mit dem Religionsbeauftragten der Bundesregierung Thomas Rachel in unserer AG, mit Dr. Jonas Geissler und der Ausschussvors. Mechthild Heil

 

Bischof Bätzing beim St. Michael-Empfang: Vertrauen neu gewinnen durch eine Kooperation der Hoffnungsvollen

Um Vertrauen ging es auch beim traditionellen St. Michael-Jahresempfang des Kommissariats der deutschen Bischöfe mit 600 Gästen am Montag.

In Zeiten, in denen das Misstrauen auch in staatliches Handeln leider immer größer wird, rief der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Bischof Dr. Georg Bätzing in seiner beeindruckenden Ansprache zu „Kooperationen der Hoffnungsvollen“ auf, um verlorenes Vertrauen neu zu gewinnen.

Angstmacher und ständige, immer aggressivere Empörungsschleifen bringen uns nicht weiter.

Voraussetzungen für Vertrauen erfüllen

Allerdings haben sich die Voraussetzungen für die Vertrauensbildung geändert: Vertrauen entsteht nicht mehr wie früher durch die Identifizierung zum Beispiel mit einer politischen Partei oder mit der Kirche, sondern dadurch, dass sich eine Partei oder die Kirche dieses Vertrauen dadurch verdienen, dass sie ihre Aufgaben erfüllen, Probleme lösen, die Gesellschaft zusammenhalten und dabei ein klares Profil entwickeln.

Gut gesagt – und ein Ansporn für uns alle.

Den Bericht zur Veranstaltung und die Ansprachen im Wortlaut finden Sie hier.

Beim Empfang mit dabei waren auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Bundestagspräsidentin Julia Klöckner und Bundesbildungsministerin Karin Prien.

Herzlichen Dank für die Einladung!

Bischof Bätzing bei seiner bemerkenswerten Ansprach auf dem St. Michael-Empfang im Tagungszentrum der Katholischen Akademie