Ein weiteres sehr interessantes Gespräch habe ich am Dienstag mit einer Delegation des Volkes der Massai aus Tansania in Begleitung von Vertretern der Gesellschaft für bedrohte Völker GfbV und der Organisation FIAN geführt.
Mein hessischer Bundestagskollege Michael Brand, Staatssekretär im Bildungs- und Familienministerium, hatte den Kontakt vermittelt, denn er hat sich schon als mein Vorgänger in der AG Menschenrechte für die Rechte der Massai eingesetzt.

Mit dem Parlamentarischen Staatssekretär Michael Brand und dem Anwalt Josef Moses Oleshangay, Angehöriger der Massai, im Bundestag
Massai sind massiv bedroht
Denn die indigenen Massai in Tansania sind bedroht. Der Anwalt Joseph Moses Oleshangay, der 2023 mit dem Menschenrechtspreis der Stadt Weimar ausgezeichnet wurde, berichtete von Unterdrückung, Ausschluss von Wahlen und Vertreibung seines Volkes durch die Regierung von Tansania. Auch wichtige soziale Dienste wie der Flying Medical Service zur Versorgung der Menschen in abgelegenen Gebieten wurden eingestellt bzw. erhalten keine Lizenz mehr.
Er tut alles, um Unterstützer zu finden, die auf die Regierung in Tansania Einfluss üben, damit die einzigartige Kultur der Massai erhalten bleibt, damit die Massai ihre Lebensgrundlage behalten und weiter mit ihren Viehherden in ihren angestammten Regionen leben können.
Stattdessen hat die Regierung sie zunächst aus dem Serengeti-Nationalpark teilweise gewaltsam vertrieben bzw. zwangsumgesiedelt, aktuell und künftig geplant sind Umsiedlungen aus den angrenzenden Loliondo- und Ngorongoro-Schutzgebieten, für die die Regierung jedoch Jagdlizenzen an reiche Trophäenjäger aus arabischen Ländern verkauft.
Akzeptable Lösungen für Landnutzungskonflikte finden
Die Landnutzungskonflikte werden verstärkt durch eine wachsende Bevölkerungszahl und damit auch steigenden Viehzahlen.
Leider trägt auch Volkswagen durch ein großes Kohlenstoffprojekt – bei dem die Weideflächennutzung zugunsten von zusätzlichen Kohlenstoffspeicherungen weiter eingeschränkt werden, um Kohlenstoff-Emissionen zu kompensieren – zur Bedrohung der Massai bei.
Ob die Anfang 2025 eingesetzten Regierungskommissionen Lösungen finden wird, die auch für die Massai akzeptabel sind, wird bezweifelt.
Der seit Monaten aus politischen Gründen inhaftierte Oppositionsführer Tundu Lissu und die Bischöfe Tansanias stellen sich hinter die Massai.
Auch Deutschland ist in der Pflicht. Tansania ist seit Jahrzehnten ein zentraler Partner Deutschlands im Naturschutz. Wenn deutsche Entwicklungsgelder fließen, dürfen systematische Vertreibungen der Massai nicht akzeptiert werden. Stattdessen sollten Hebel genutzt werden, um unsere Interessen und die der Massai miteinander zu verbinden.
Danke und viel Erfolg!
Viel Erfolg für den weiteren Kampf um Gerechtigkeit und vielen Dank an die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) und an FIAN für ihre Unterstützung dabei.