
Dr. Jakob Drobnik (rechts) und Marietta Hageney (links) vom Deutschen Institut für angewandte Kriminalitätsanalyse DIAKA übergeben die neue Studie „Nordisches Modell und Menschenhandel“ an Bildungs- und Frauenministerin Karin Prien (Mitte) und mehrere Abgeordnete im Deutschen Bundestag, darunter auch meine Fraktionskolleginnen Anja Karliczek (Mitte) und Elisabeth Winkelmeier-Becker – Fotografin: Laurence Chaperon
Wir müssen unseren Einsatz gegen Zwangsprostitution und Menschenhandel in Deutschland verstärken. Ein überzeugender Ansatz dafür ist das Nordische Modell, wie es bereits in Schweden, Norwegen und auch in Frankreich seit mehreren Jahren praktiziert wird.
Das zeigt die aktuelle Studie „Nordisches Modell und Menschenhandel“, die die bundesweit tätige Frauenrechtsorganisation SOLWODI diese Woche an Bundesfamilienministerin Karin Prien, an mich und weitere Bundestagskolleginnen und Kollegen übergeben hat.
Die Studie von Dr. Jakob Drobnik vom Deutschen Institut für angewandte Kriminalitätsanalyse DIAKA liefert stichhaltige Belege dafür, dass das Nordische Modell ein effektiver Weg ist, Frauen vor Zwangsprostitution und Menschenhandel zu schützen. Das Modell stellt die Käufer sexueller Dienstleistungen unter Strafe, bietet den betroffenen Frauen Ausstiegshilfen an, beinhaltet Präventionsmaßnahmen und sieht das Verbot von Bordellen und Zuhälterei vor.
Die Zahlen aus der Studie belegen eindeutig: Die Identifizierung und Bestrafung der Täter wird durch das Modell effizienter. Die organisierte Kriminalität im Umfeld von Zwangsprostitution und Menschenhandel wird eingedämmt. Und das gesellschaftliche Bewusstsein ändert sich ebenfalls: In Schweden lehnen über 72 Prozent der Bevölkerung den Kauf sexueller Handlungen ab, in Norwegen 65 Prozent und in Frankreich sogar 78 Prozent.
Paradigmenwechsel vorantreiben
Als Union haben wir uns bereits in der letzten Legislaturperiode für das Nordische Modell ausgesprochen, dazu den Antrag „Menschenunwürdige Zustände in der Prostitution beenden – Sexkauf bestrafen“ eingebracht und eine Expertenanhörung dazu durchgeführt.
Auch das Europaparlament hat die EU-Staaten aufgefordert, Prostitution zu entkriminalisieren, Freier jedoch zu bestrafen.
Nur durch einen solchen Paradigmenwechsel kann auch der grenzüberschreitende Menschenhandel wirksam bekämpft werden.
Es liegt aber noch ein schwieriger Weg vor uns – auch vor dem Hintergrund, dass die ebenfalls diese Woche vorgestellte und vielfach kritisierte Evaluation des deutschen Prostituiertenschutzgesetzes nur wenige Anhaltspunkte für Verbesserungen liefert, obwohl die eingeführten Schutzvorschriften für Prostituierte größtenteils ins Leere laufen und nichts an der Gewalt, der Ausbeutung und dem Zwang ändern, denen 80 bis 90 Prozent der Prostituierten ausgesetzt sind.
Die Studie von Dr. Drobnik und des DIAKA ist ein wichtiger Beitrag dazu, bei der Bekämpfung der entwürdigenden Zustände in der Prostitution voranzukommen. Sie macht auch weitergehende Vorschläge dazu, wie die verpflichtende Speicherung digitaler Daten zur Täterermittlung.
Herzlichen Dank dafür!

Nach der Übergabe der DIAKA-Studie: Mit Anne Janssen/CDU, Günter Krings/CDU, Janina Hostert/SPD, Elisabeth Winkelmeier-Becker/CDU, Ursula Männle/CSU, Michael Brand/Parlamentarischer Staatssekretär/CDU, Dr. Jakob Drobnik/DIAKA, Karin Prien/Bildungs- und Frauenministerin, Andrea Lindholz/CSU, Anja Karliczek/CDU, Marietta Hageney/DIAKA, Dr. Anja Weisgerber/Stv. Fraktionsvorsitzende CDU/CSU, Saskia Esken/SPD, Ansgar Heveling/CDU, Susanne Hierl/CSU (vlnr) – Fotografin Laurence Chaperon