Kennenlerngespräch und Jubiläumsempfang: 75 Jahre Zentralrat der Juden!

Nicht nur als religionspolitischer Sprecher habe ich mich sehr gefreut, dass ich am Dienstag Daniel Botmann kennengelernt habe, den Geschäftsführer des Zentralrates der Juden.

Im Gespräch mit Daniel Botmann, Geschäftsführer des Zentralrats der Juden in Deutschland

Daniel Botmann hat mich über die Schwerpunkte seiner Arbeit informiert, und insbesondere darüber, wie die jüdischen Gemeinden in Deutschland organisiert sind – zunächst als Gemeinden vor Ort, dann als Landesverbände und schließlich auf Bundesebene mit dem Zentralrat, der am 19. Juli 1950 in Frankfurt gegründet wurde. Seitdem vertritt der Zentralrat die jüdische Gemeinschaft in Deutschland mit all ihren unterschiedlichen Facetten – diese Form der Organisation jüdischer Gemeinschaften ist übrigens weltweit einmalig.

Einsatz für Dialog

Der Zentralrat setzt sich außerdem für Demokratie, gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Wahrung der Menschenwürde ein – und dafür, dass politische oder religiöse Konflikte oder Strukturen aus dem Ausland nicht nach Deutschland getragen werden.

Wir sprachen darüber, wie wichtig Religionsfreiheit ist und welche Rechte Religionsgemeinschaften unter welchen Voraussetzungen in Anspruch nehmen können, daneben über die erfolgreiche Arbeit der jüdischen Militärseelsorge, die 2019 mit einem Staatsvertrag eingeführt wurde, über die neue Jüdischen Akademie in Frankfurt, die 2026 eröffnet werden soll, über die Hochschule für jüdische Studien in Heidelberg, an der u.a. jüdische Religionslehrer ausgebildet werden, und über Aktionen wie „Meet a Jew“ u.a. an Schulen.

Große Sorge Antisemitismus

Große Sorgen bereitet uns beiden der zunehmende Antisemitismus, unter dem auch immer mehr jüdische Schülerinnen und Schüler leiden, nur weil sie jüdisch sind, und der auch an unseren Hochschulen und im Kulturbereich leider immer weiter um sich greift. Aktuelles Beispiel: Die unverantwortliche Ausladung der Münchener Philharmoniker von einem Klassikfestival in Gent, nur weil ihr Chefdirigent Lahav Shani ein israelischer Jude ist, der sich angeblich nicht ausreichend von der Politik Netanjahus distanziert habe – was er aber durchaus getan hat.

75 Jahre Zentralrat der Juden – Rosch-Haschana-Empfang

Gutes Timing: Unser Gespräch fand einen Tag vor dem großen Rosch-Haschana-Empfang zum 75-jährigen Jubiläum des Zentralrats der Juden im Jüdischen Museum statt, bei dem ich am Mittwoch sehr gerne zu Gast war. Mit diesem Empfang wurde das jüdische neue Jahr 5786 gefeiert.

Die bemerkenswerte Festrede hielt Bundeskanzler Friedrich Merz: Er hat damit ein wichtiges Signal der Solidarität an alle Jüdinnen und Juden gesendet, die nach den vernichtenden Gräueltaten in der Nazizeit wieder ein Zuhause, eine Stimme, eine Sichtbarkeit in Deutschland gefunden haben – und gleichzeitig ein starkes Signal gegen Antisemitismus, der uns gerade heute wieder vor große Herausforderungen stellt.

Es war ein sehr mutiger Akt, dass unsere jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger sich schon so kurz nach dem Ende des Zeiten Weltkriegs wieder in Deutschland organisiert haben, damals mit sechs Landesverbändenheute sind es 23 mit dem Zentralrat an der Spitze. Die jüdische Gemeinschaft in Deutschland ist heute die drittgrößte in Europa.

Herzlichen Dank an Daniel Botmann für den guten Austausch – und an Josef Schuster, den Präsidenten des Zentralrates der Juden für die Einladung zur Jubiläumsfeier!

Wir bleiben in Kontakt!