
Zum 80. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau am 27. Januar 2025 hat der 88-jährige Holocaust-Überlebende Roman Schwarzman aus Odessa am Mittwoch eine sehr bewegende Rede im Bundestag gehalten.
„Ich habe den Teufel gesehen“
Seine Worte gingen mir tief ins Herz:
„Ich habe den Teufel gesehen – aber seine Kraft ist nicht größer als die, die wir ihm beimessen,“ sagte er, der als 7-jähriger aus einem Ghetto in der Ukraine befreit wurde.
Vor zwei Jahren wurde seine Wohnung in Odessa bei einem Luftangriff zerstört:
„Damals wollte mich Hitler töten, weil ich Jude bin. Heute will mich Putin töten, weil ich Ukrainer bin.“
Er bat eindringlich darum, die Ukraine bei der Verteidigung gegen die russischen Invasoren weiter mit Waffen zu unterstützen.
Trotz seiner grausamen Erlebnisse hat er den Mut nicht verloren und mahnt: Wir müssen aufhören, Angst zu haben und uns der historischen Verantwortung stellen.
Erinnerung bewahren!
Seine Lebensaufgabe sieht er darin, die Erinnerung zu bewahren, für Menschlichkeit und Gerechtigkeit zu kämpfen.
Er setzt sich seit über 30 Jahren für die jüdischen Überlebenden des Holocausts in der Ukraine ein. Aktuell plant er, ein Mahnmal in Odessa zu errichten, das an 25.000 Menschen erinnern soll, die die Nationalsozialisten in seiner Heimatstadt bei lebendigem Leib verbrannten – nur weil sie Juden waren.

Beifall nach der Rede von Roman Schwarzman

Unter den Ehrengästen: die 103-jährige Holocaust-Überlebende Margot Friedländer;
©Screenshots Parlaments-TV
#WeRemember!
Wir schulden allen Opfern der abscheulichen Verbrechen des Nazi-Regimes eine würdige Erinnerung.
Deshalb hat sich Bundestag auch dieses Jahr wieder an der internationalen Gedenkkampagne #WeRemember! des World Jewish Congress und der UNESCO beteiligt.
Der elf Meter langer Schriftzug „#WeRemember“ auf den Treppen des Reichstagsgebäudes und macht die Beteiligung des Parlaments nach außen sichtbar. Ein wichtiges Zeichen gegen Antisemitismus, Hass und Fremdenfeindlichkeit !

Foto: Daniela Ludwig MdB
Sehenswerte Ausstellung zur Erinnerung an den Moment der Befreiung im Bundestag
Beeindruckend: Auch die Ausstellung im Paul-Löbe-Haus des Bundestages mit dem Titel „Erinnerung an die Befreiung – Mahnung für die Demokratie“ setzt ein wichtiges Zeichen gegen das Vergessen. Die Künstlerin Monika Mendat, deren Mutter aus Ausschwitz stammt, holt mit ihren Werken die Opfer aus der Anonymität und gibt ihnen ein Gesicht.
Sie hält den Moment der Befreiung fest und sagt: „Je ungeheuerlicher das Verbrechen, desto dringlicher das Erinnern.“ Anmelden für einen Besuch kann man sich hier. Die Ausstellung läuft noch bis zum 21. Februar.

Antisemitismus an Schulen und Hochschulen entschlossen bekämpfen
Die Geschichte mahnt uns, dass Freiheit, Demokratie und Menschenwürde keine Selbstverständlichkeiten sind. Umso unerträglicher, dass heute, 80 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz, Jüdinnen und Juden bei uns wieder um ihr Leben fürchten müssen und sich besonders seit dem Angriff der Terrororganisation Hamas auf Israel zunehmend Hass und Hetze gegenübersehen – leider auch an unseren Schulen, Hochschulen und in der Wissenschaft.
In einem interfraktionellen Antrag auf Initiative meiner Forschungs-AG fordern wir deshalb, jede Form von Antisemitismus und Israelfeindlichkeit an Schulen und Hochschulen entschlossen entgegenzutreten, das heißt:
Prävention fördern, Wissenslücken abbauen, antisemitische Straftaten konsequent ahnden und Hochschulen bei der Durchsetzung von Disziplinarmaßnahmen unterstützen.