Gespräch mit Unicef Afghanistan: Besonderer Einsatz für die Bildung von Mädchen!

Mit Dr. Tajudeen Oyewale, Unicef-Landesdirektor in Afghanistan, und weiteren Unicef-Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern habe ich am Mittwoch über die desolate Lage in Afghanistan diskutiert.

Schulbildung von Mädchen dringend verbessern!

Unicef setzt sich trotz oder gerade wegen der weitgehenden Verbannung von Frauen und Mädchen aus dem öffentlichen Leben durch die Taliban-Regierung dafür ein, dass auch Mädchen eine gute Schul- und Berufsausbildung erhalten und später zumindest einen Beruf als Lehrerin oder im Gesundheitswesen ausüben können. Gerade diese Berufe sind für alle Frauen wichtig, denn Frauen dürfen in Afghanistan auch bei gesundheitlichen Problemen oder bei Geburten nicht von männlichen Ärzten oder Helfern versorgt werden.

Aktuell müssen Mädchen jedoch nach dem sechsten Schuljahr die Schule verlassen und können danach nur noch eine Koranschule besuchen. Aber auch Jungen leiden unter mangelhafter Bildung, weil viele Schulen nicht funktionsfähig sind und es nicht genügend Lehrer gibt. Schon vor der Machtübernahme konnten vier Millionen Kinder gar nicht in die Schule gehen, jetzt sind es noch mehr.

Unicef hilft den Gemeinden dabei, die Schulen offen zu halten und das Lernen für Mädchen zu ermöglichen, zum Beispiel durch Schulbücher, Errichten von Schultoiletten, Ausbildung von Lehrerinnen, Ausbau von gemeindebasierten Schulen, die Förderung des Unterrichts über digitale Formate, Radio oder Fernsehen und von Bildungsinitiativen wie „Let us Learn“.

Lage verschärft durch Mittelkürzungen, Klimakrise, Rückkehrer aus Nachbarländern

Die weltweiten Mittelkürzungen für humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit – insbesondere durch den Rückzug der USA, die auch in Afghanistan den größten Teil der internationalen Hilfe finanziert hatten – erschwert leider auch die Arbeit von Unicef massiv.

Immer mehr Familien und Kinder leiden in Afghanistan zudem unter Hunger und Armut, mit verursacht durch Erdbeben und durch verstärkte Dürreperioden und Überschwemmungen aufgrund des Klimawandels, was zu Ernteausfällen und Wirtschaftskrisen führt. Rund 23 Millionen Menschen
sind in Afghanistan – das ist über die Hälfte der Bevölkerung – auf humanitäre Hilfe angewiesen, darunter 12 Millionen Kinder.

Verschlimmert wird die Lage weiter dadurch, dass immer mehr Afghaninnen und Afghanen, die vor den Taliban nach Pakistan und in den Iran geflohen waren und teilweise schon seit vielen Jahren dort lebten, ad hoc nach Afghanistan ausgewiesen werden – ohne Versorgung, ohne Bleibe, und ohne Schulbildung für die Kinder. Für die internationalen Hilfsorganisationen ein nicht zu bewältigendes Problem. Inzwischen hat auch die Taliban-Regierung den Ernst der Lage erkannt und versucht, den „Flüchtlingsstau“ an der Grenze aufzulösen.

Mit Dr. Tajudeen Oyewale, Landesdirektor von Unicef für Afghanistan

Im Gespräch mit den Taliban bleiben – internationale Hilfe aufrechterhalten

Wichtig ist es für Dr. Oyewale und sein Unicef-Team in Afghanistan, trotz aller Schwierigkeiten und Vorbehalte mit den Taliban im Gespräch zu bleiben, um so wenigstens minimale Fortschritte für die Kinder und besonders für die Bildung von Mädchen erreichen zu können.

Umso wichtiger ist es auch, dass diese Hilfe durch die internationale Staatengemeinschaft – mit Deutschland als größter Gebernation für Afghanistan – weiter unterstützt wird, ohne dabei das Taliban-Regime offiziell anzuerkennen. Wir dürfen die Kinder in Afghanistan nicht im Stich lassen!

Danke!

Herzlichen Dank an Dr. Oyewale und Unicef für ihre großartige Arbeit und für den Austausch – und viel Erfolg für die Zukunft!