Diskussion mit help e.V. am Beispiel Sudan: Wie kann humanitäre Hilfe irreguläre Migration bis hin nach Europa reduzieren?

Beim Parlamentarischen Briefing von help e.V., gemeinsam mit meinen beiden SPD-Kolleginnen Gabriela Heinrich und Svenja Schulze, der früheren Umweltministerin.

Auch wenn der Irankrieg zurzeit alles überschattet: Wir dürfen andere Kriege und Konflikte nicht aus den Augen verlieren. So ist die humanitäre Lage im Sudan nach mehr als 1.000 Tagen Bürgerkrieg verheerend. Millionen von Menschen sind dort auf der Flucht, zumeist im Land selbst, dann meist in die Nachbarländer, weil sie bedroht sind und nicht mehr das Nötigste zum Leben haben.

Flüchtlingslager im Sudan

 

Gleichzeitig sinken trotz des steigenden Bedarfs an humanitärer Hilfe die humanitären Mittel, im Sudan, aber auch weltweit.

Zusammenhang zwischen humanitärer Notlage und Flucht

Beim Parlamentarischen Briefing der Hilfsorganisation help e.V. mit help-Generalsekretär Dr. Thorsten Klose-Zuber am Mittwoch, dessen

Schirmherr ich war, haben wir deshalb über die Fragen diskutiert:

Welchen nachweisbaren Zusammenhang gibt es zwischen Unterversorgung und Migrationsentscheidungen? Wie können wir die Menschen in Krisenregionen wie dem Sudan am besten davon überzeugen, in ihrer Heimatregion zu bleiben?

Die Antworten darauf zu finden, ist umso wichtiger, da auch in den Nachbarstaaten des Sudan wie im Tschad eine massive Unterversorgung der dorthin geflüchteten Sudanesen herrscht.

Wie Andreas Kirchhof, Senior External Relations Officer beim UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR in Berlin berichtete, führt das zu einer zunehmenden Destabilisierung der gesamten Region und zu sekundären Fluchtbewegungen bis an die EU-Außengrenzen. So hat sich in der östlichen Küstenregion Libyens die Zahl der Sudanesinnen und Sudanesen von August bis Oktober 2025 verdreifacht. Zeitgleich ist auch ihre Zahl auf der griechischen Insel Kreta um das Dreifache gestiegen.

Fluchtbewegungen aus dem Sudan in die Nachbarländer

Kaum eine humanitäre Krise offenbart deshalb in solcher Deutlichkeit die außen-, sicherheits- und migrationspolitischen Folgen eines unterfinanzierten humanitären Systems.

Ausreichende Grundversorgung hält die Menschen davon ab zu fliehen

Prof. Dr. Rainer Thiele, Migrationsforscher und Direktor des Kiel Instituts für Weltwirtschaft, erklärte, dass es zwar bisher nur wenige Studien gibt, die den Zusammenhang zwischen humanitärer Hilfe und irregulärer Migration wissenschaftlich untersucht haben.

Diese aber zeigen deutlich,

  • dass humanitäre Hilfe vor Ort die irreguläre Mi­gration nach Europa um 10% reduzieren kann,
  • dass die Hilfe für Menschen auf dem Land besonders wichtig ist, denn Menschen in der Stadt finden eher Möglichkeiten, sich selbst zu helfen,
  • und dass allein mehr Geld ohne Verbesserung der Grundversorgung sogar zu mehr Migration führen kann.

Das heißt also: Eine ausreichende Grundversorgung mit Nahrung, Gesundheitsstationen und Schulen hält Menschen davon ab, ihren Standort zu verlassen.

Dr. Thorsten Klose-Zuber, Prof. Dr. Rainer Thiele und Andreas Kirchhof bei unserem Briefing (vlnr)

Politische Handlungsoptionen

Gerade in Zeiten knapper Haushaltskassen können solche Studien dabei helfen zu entscheiden, welche Mittel und Projekte tatsächlich irreguläre Migration reduzieren, mit welchen kosteneffektiven, kombinierten Ansätzen wir in der humanitären Hilfe die größte Wirkung erzielen, und wie wir das internationale humanitäre Hilfssystem am besten reformieren können.

Eine wichtige Option wäre zum Beispiel, die geflüchteten Menschen in den Nachbarländern besser zu unterstützen, aber nicht etwa in Camps, sondern durch verstärkte Integration in die lokalen Gemeinschaften, wo sie dann vielleicht auch Land bewirtschaften könnten, um sich selbst zu versorgen – wie es teilweise im Tschad schon geschieht. Die selbst oft unter Armut leidenden lokalen Gemeinschaften müssten dabei ebenfalls unterstützt werden, damit es keine Konflikte gibt.

Herzlichen Dank!

Herzlichen Dank an Andreas Kirchhof, an Prof. Dr. Rainer Thiele und an Dr. Thorsten Klose-Zuber für die wertvollen Informationen und an das Team von help e.V. für die Organisation! Diese Erfahrungen sind für uns eine unverzichtbare Entscheidungsgrundlage.