4. Help-Briefing: Katastrophale Lage im Libanon als Stresstest für die deutsche humanitäre Hilfe!

Eine Frau mit Mut und Expertise: Daria Jamil, Sprecherin und CDO der libanesischen Help e.V.-Partnerorganisation Basmeh & Zeitooneh for Relief and Development, hat uns bei unserem 4. Help-Briefing aus erster Hand darüber informiert, welche katastrophalen Folgen die aktuelle Eskalation der Gewalt zwischen Israel und der Hisbollah für die Menschen im Libanon hat.

Lukas Zechner/Help e.V. und Daria Jamil/B&Z

Katastrophale humanitäre Lage

Alle Regionen und insgesamt ein Viertel des kleinen Landes sind von Kampfhandlungen, Flucht und Vertreibung betroffen. Das stellt den 6-Millionen- Staat, der bereits 1,5 Mio. syrische Bürgerkriegsflüchtlinge beherbergt und unter einer schweren Wirtschaftskrise leidet, vor praktisch unlösbare Aufgaben.

Daria Jamil/B&Z und Dr. Thorsten Klose-Zuber/Help e.V.

Immer mehr Menschen fehlt es an allem: Viele wissen nicht, wo sie die nächste Nacht verbringen können, wo sie Lebensmittel und sauberes Trinkwasser erhalten, ganz zu schweigen von sanitären und medizinischen Angeboten. Rund 350.00 Kinder können nicht zur Schule gehen und laufen Gefahr, eine „Lost Generation“ zu werden. Infrastruktur wurde zerstört, zahlreiche Gesundheitszentren und Krankenhäuser geschlossen, der Zugang zu Hilfe erschwert. Und die Lage wird täglich schlimmer.

Die Zahl der Binnenvertriebenen – meist Frauen und Kinder – wird inzwischen auf über eine Million geschätzt. Über 2.000 Menschen sind seit der Eskalation der Kämpfe bereits ums Leben gekommen, über 10.000 wurden verletzt.

Die syrischen Flüchtlinge fliehen teilweise sogar zurück nach Syrien, ein Land, das selbst am Boden liegt, und wo ihnen weitere Gefahr droht.

NGOs als Retter

Da der Staat keine Hilfe leistet oder leisten kann, sorgen UN-Organisationen wie UNHCR und besonders lokale NGOs wie die von Daria Jamil vielerorts – letztere sehr flexibelfür das Nötigste. Dafür sind sie jedoch dringend auf finanzielle Unterstützung von außen angewiesen, besonders aus den USA und aus Deutschland.

Humanitäre Mittelkürzungen fatal auch für uns

Die aktuellen Pläne der Ampel, die Mittel für die humanitäre Hilfe zu halbieren, ist hier absolut kontraproduktiv. Das erschwert die Arbeit der NGOs und wird dazu führen, dass noch weniger Menschen in Libanon die dringend notwendige Hilfe erhalten.

Wollen wir wirklich, dass eine ganze Generation im Libanon verloren ist und Hass und Terror und die Hisbollah sich immer weiter ausbreiten?

Bereits in der letzten Sitzungswoche hatten wir darüber gesprochen, wie fatal sich die weitere Destabilisierung des Nahen Ostens und die zu erwartenden Fluchtbewegungen auch in Richtung Europa außerdem auf unsere eigene Sicherheit auswirken werden.

Auch die Vertreter/innen des Auswärtigen Amtes, die am Briefing teilgenommen haben, hoffen deshalb darauf, dass wir es bei den parlamentarischen Beratungen schaffen, zumindest einen Teil der geplanten Mittelkürzungen rückgängig zu machen.

Humanitäre Diplomatie weiter verfolgen

Was kann Deutschland noch tun, um zur Deeskalation der Lage im Libanon beizutragen?

Die Teilnehmer/innen des Auswärtigen Amtes wiesen auf die vielfältigen Aktivitäten von Außenministerin Baerbock und anderen Ampel-Vertretern im Rahmen der humanitären und der Friedens-Diplomatie hin, die dringend weiter verfolgt werden müssen – auch wenn es bisher leider keine großen Erfolge gab.

Eins ist klar: Nur mit einem Waffenstillstand in Gaza und einer nachhaltigen Perspektive für die Palästinenser kann sich auch die Lage im Libanon wieder beruhigen. Darauf müssen sich weiter all unsere Bemühungen und die unserer europäischen und internationalen Partner richten.

Mit Help-Generalssekretär Dr. Thorsten Klose-Zuber kurz vor Beginn des Help-Briefings