Der dritte Jahrestag des grauenhaften Terrorangriffs der Hamas auf Israel hat am 7. Oktober die politische Tagesordnung auch im Bundestag bestimmt. Über 1.200 Menschen wurden damals getötet und rund 250 als Geiseln verschleppt. Hinter diesen Zahlen stehen das Leid unzähliger Menschen, Familien und Lebensgeschichten, die wir nicht vergessen dürfen.
Mit einer Bundestagsdebatte und der Ausstellung „Israel 733:02:35“ haben wir deshalb der Opfer des 7. Oktober 2023 gedacht.

Foto: Screenshot Parlaments-TV
Bundestagspräsidentin Julia Klöckner und die Redner in der Debatte riefen außerdem dazu auf, Antisemiten hierzulande entschiedener in die Schranken zu weisen – im eigenen Alltag, vor der Haustür, am Arbeitsplatz, in der Freizeit.
Denn auch das jüdische Leben in Deutschland ist vom Hass der Hamas betroffen. Das Leben von Jüdinnen und Juden hat sich hier seit dem 7. Oktober 2023 vielerorts verschlechtert. Viele erleben Anfeindungen und Bedrohungen oder trauen sich nicht mehr, offen als Jüdinnen oder Juden erkennbar zu sein. Allein im Jahr 2025 wurden 8.725 antisemitische Vorfälle dokumentiert – das sind rund 24 Vorfälle an jedem einzelnen Tag.
Wir dürfen es nicht hinnehmen, dass der Terror der Hamas relativiert wird, dass terroristische Gewalt verharmlost wird.
Wir dürfen das Existenzrecht Israels bei aller berechtigten Kritik an den Entscheidungen der israelischen Regierung nicht in Frage stellen.
Wir müssen den weiter zunehmenden Antisemitismus entschlossener bekämpfen und jüdisches Leben in Deutschland besser schützen. Jüdinnen und Juden sollen nie wieder Angst haben müssen, verfolgt und angegriffen zu werden, nur weil sie jüdisch sind – weder bei uns noch weltweit, weder von rechtsextremer, linksextremer noch von islamistischer Seite.
Ausstellung „Israel 733:2:35“: Tief traumatisierte Gesellschaft

Die Ausstellung „Israel 733:2:35“ im Paul-Löbe-Haus, die Bundestagspräsidentin Julia Klöckner am 7. Oktober eröffnet hat, dokumentiert die Folgen des Terrorangriffs der Hamas vom 7. Oktober 2023 bis zum 9. Oktober 2025.
733 Tage, 2 Stunden und 35 Minuten liegen zwischen dem Morgen des 7. Oktober 2023 und dem Abkommen über die Freilassung der letzten von der Hamas festgehaltenen Geiseln im Oktober 2025. Die Ausstellung führt nach Be’eri, Nir Oz, Nahal Oz, Kfar Aza, Sderot und auf das Gelände des Nova-Festivals – Orte, die für viele Menschen zu Symbolen geworden sind und bis heute die Spuren der Gewalt tragen.
Die Fotografien zeigen, was zurückblieb: zerstörte Häuser, Orte und Gegenstände als stille Zeugnisse des Terrorangriffs.

Die Ausstellung erzählt vom langen Kampf der Angehörigen und der israelischen Gesellschaft um die Rückkehr der Geiseln und darum, ihre Schicksale im öffentlichen Bewusstsein zu halten.
Sie zeigt, dass die israelische Gesellschaft infolge des Angriffs vom 7. Oktober eine zutiefst traumatisierte Gesellschaft ist.
In Videointerviews teilen Überlebende und Angehörige zudem ihre Erfahrungen und Erinnerungen, berichten von Verlust, Trauer, Resignation, Hoffnung und den bleibenden Folgen des 7. Oktober.
Wie sehen sie die Zukunft? Kann es wirklich keinen Frieden mehr in dieser Generation geben, wie ein Interviewpartner für sich feststellt?

Und wann wird wahr, was auf dem Trauerstein auf einem der Fotos steht: „We will dance again“?

Besuch aus dem Augusta-Victoria-Hospital in Ost-Jerusalem: Zugang für Patienten aus Gaza wieder zulassen!
Es ist wichtig, dass wir uns bewusst machen, dass
Die Folgen gehen weit über den Gaza-Krieg hinaus. Wie negativ sich das Trauma im Alltäglichen auf das Leben der Palästinenser auswirkt, zeigt das Beispiel des Augusta-Victoria-Krankenhauses AVH, wie mir Sieglinde Weinbrenner, Länderrepräsentantin des Lutherischen Weltbundes in Jerusalem, und AVH-Geschäftsführer Dr. Fadi Atrash, bei ihrem Berlin-Besuch am Donnerstag berichtet haben.
Das Hospital auf dem Ölberg in Ost-Jerusalem, das seit 75 Jahren vom Lutherischen Weltbund LWB betrieben wird, ist die einzige Einrichtung in den besetzten palästinensischen Gebieten, die Strahlentherapie für Krebspatienten anbietet. Es ist zudem die einzige medizinische Einrichtung in der Region, die Nierendialyse für Kinder durchführt. Jedes Jahr werden hier über 7.000 Patienten behandelt.
85% der Angestellten kommen aus der Westbank. Damit diese zu ihrem Arbeitsplatz in Ostjerusalem gelangen können, werden jeden Morgen Busse organisiert. Denn wer mit dem Auto fahren will, braucht neben der „normalen“ halbjährlichen Genehmigung, noch eine besondere Erlaubnis.
Seit dem 7. Oktober 2023 hat sich vieles verschlechtert. So darf heute maximal ein Verwandter in gerader Linie als Begleitperson für die Patienten mitkommen. Gerade für krebskranke Kinder stellt dies eine ungeheure zusätzliche Belastung dar. Und wo vor dem 7. Oktober rund 40 Prozent der Patientinnen und Patienten aus Gaza kamen – davon rund 15% Hälfte Kinder -, können Patienten von dort das Hospital seit Kriegsbeginn gar nicht mehr erreichen. Auch nach dem Abkommen zur Waffenruhe im Oktober 2025 wurde kein humanitärer Korridor geöffnet, obwohl rund 16.500 Patienten aus Gaz dringend behandelt werden müssten, darunter 4.000 Kinder.
Das AVH arbeitet zwar mit dem Arab Ahli Hospital in Gaza-Stadt zusammen, wo eine Klinik für Krebsdiagnostik und ein Telemedizin-Dienst eingerichtet wurde. Aber das Gesundheitswesen in Gaza ist seit Kriegsbeginn insgesamt kollabiert, und dort fehlt es an allem: an Ärzten, grundlegenden Medikamenten, an essenziellen Chemotherapeutika, an Diagnosemöglichkeiten, an Verbandszeug.
Dabei liegt die Lösung liegt nur 70–80 Kilometer von Gaza entfernt im AVH und anderen Krankenhäusern in Ost-Jerusalem. Im AVH können täglich bis zu 50 Krebspatienten mit Chemotherapie und Strahlentherapie behandelt werden.
Um den schwerkranken Menschen aus den palästinensischen Gebieten helfen zu können, braucht es dringend eine Wiedereröffnung des humanitären Korridors von Gaza nach Ost-Jerusalem, den weiteren Ausbau der Kapazitäten beim AVH und die Überweisung der ausstehenden Gelder an die palästinensische Autonomiebehörde durch Israel. Auch die Siedlergewalt im Westjordanland muss endlich gestoppt werden.

Gemeinsam mit Sieglinde Weinbrenner, Länderrepräsentantin des Lutherischen Weltbundes in Jerusalem, und Dr. Fadi Atrash, Geschäftsführer des Augusta-Victoria-Hospitals