Das große Leiden der Menschen im Sudan beenden: Wichtige Signale von der Sudan-Konferenz in Berlin -Druck auf die Kriegsparteien erhöhen!

Der Bürgerkrieg im Sudan, dem drittgrößten Land Afrikas, dauert bereits genau drei Jahre. Seit dem 15. April 2023 kämpfen die Regierungsarmee SAF von De-facto-Machthaber Abdel-Fattah al-Burhan und die Miliz RSF unter Mohamed Hamdan Daglo um die Vorherrschaft im Land, mit grauenhaften Folgen für die Bevölkerung – vor allem für Frauen und Mädchen, wie die Kinderschutzorganisation Plan International feststellt.

Plan International / Anika Büssemeier

Die schreckliche Bilanz:

  • Im Sudan herrscht die größte humanitäre Katastrophe weltweit.
  • 60.000 Tote. Über die Hälfte der Bevölkerung – 28 Millionen – hungert. Rund 12 Millionen Menschen sind auf der Flucht. Krankenhäuser und Schulen sind zerstört.
  • Besonders grausam: Neben Hunger werden Vergewaltigungen im Sudan gezielt als Kriegswaffe eingesetzt, auch gegen Kinder. Über 12 Millionen Frauen und Mädchen sind von sexueller Gewalt bedroht. Der Konflikt wird auf ihren Körpern ausgetragen. Deshalb habe auch ich die Aktion von Plan International „End Silent Suffering“ unterstützt.
  • Nur ein Bruchteil der Betroffenen erhält Hilfe. Sie alle brauchen jetzt sofort mehr Schutz, Unterstützung und Zugang zu humanitärer Hilfe.
  • Der Bürgerkrieg destabilisiert inzwischen die gesamte Region.

Ein Ende des Krieges ist nicht in Sicht. Und dennoch gerät diese Katastrophe immer wieder aus dem Blick der Öffentlichkeit. Aufmerksamkeit für den Sudan zu schaffen, ist deshalb wichtiger denn je.

Wichtige Signale von der Sudan-Konferenz in Berlin

Deshalb hat Deutschland u.a. gemeinsam mit der Afrikanischen Union, der UN, der EU und Großbritannien am Mittwoch die internationale Sudan-Konferenz in Berlin ausgerichtet – mit hochrangigen Vertretern und Vertreterinnen aus über 60 Ländern und rund 50 NGOs, die im Sudan Hilfe leisten. Darunter auch Mitglieder von Plan International, die dringend mehr Hilfe für Frauen und Mädchen fordern, des Norwegian Refugee Council NRC und des sudanesischen Netzwerks Emergency Response Rooms ERR, das eine zivil organisierte gemeinschaftliche Nothilfe für die Versorgung von Millionen von Menschen auch in sonst unzugänglichen Gebieten aufbaut, damit zum Rückgrat der humanitären Hilfe im Sudan geworden ist und dafür im letzten Jahr mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet wurde.

Ein wichtiges Signal der Sudan-Konferenz an die Menschen im Sudan:

Die Geberländer haben fast 1,5 Mrd. Euro an Hilfen zugesagt. Deutschland trägt rund 230 Mio. Euro dazu bei.

Das ist ein großer Erfolg angesichts der immer knapperen Mittel für die humanitäre Hilfe – und kann den Menschen neue Hoffnung geben.

Krieg endlich beenden – Zivile Organisationen einbeziehen

Geld allein reicht jedoch nicht. Der Krieg muss beendet werden:

Deshalb muss die internationale Gemeinschaft ihren Druck auf die Kriegsparteien weiter erhöhen, um eine sofortige Feuerpause zu erreichen und den Krieg so bald wie möglich zu stoppen. Hier sind besonders die Nachbarstaaten und die USA weiter gefordert, den Quad-Friedensplan voranzutreiben.

Die EU, die UN, die Afrikanische Union und weitere Partner fordern als Quintet außerdem: In die Friedensbemühungen müssen auch die verschiedenen zivilgesellschaftlichen Organisationen im Sudan einbezogen werden.

Ein großer Fortschritt hier: Die zivilen Akteure im Sudan werden jetzt ihre Kräfte bündeln und haben dazu am Mittwoch erstmals ein gemeinsames Statement verabschiedet und eine zivile Transition gefordert. Das ist ein weiteres wichtiges Signal, das von der Sudan-Konferenz ausgeht. Und das zeigt auch: Akteure unterschiedlicher Ansichten können zusammenfinden, wenn man ihnen die Gelegenheit und die Plattform dazu gibt. Eine großer Schritt in die richtige Richtung!

Auch Deutschland unterstützt intensiv alle diplomatischen Bemühungen, um einen humanitären Waffenstillstand zu erreichen und den Krieg zu beenden. Frieden und Stabilität in der Region liegen auch in unserem ureigenen Sicherheitsinteresse.

Bürgerkrieg im Sudan auch Thema im Menschenrechtsausschuss

Der UN-Hochkommissar für Menschrechte Volker Türk, der ebenfalls an der Sudan-Konferenz in Berlin teilnahm, berichtete uns auch im Menschenrechtsausschuss von dem unbeschreiblichen Leid der Menschen, und vor allem der Kinder im Sudan.

Er forderte ein Embargo für Waffenlieferungen an die Bürgerkriegsparteien, die auch moderne Drohnen einsetzen, die bereits über 700 Tote unter der Zivilbevölkerung allein seit Januar 2026 gefordert haben.

Große Sorge bereitet ihm auch, dass nicht nur im Sudan, sondern weltweit die Bedrohung von Frauen und Mädchen immer weiter zunimmt.

Um dem wachsenden Druck auf die Menschenrechte – verstärkt auch durch KI – zu begegnen, arbeitet der UN-Hochkommissar deshalb an einer globalen Allianz für die Menschenrechte und an einem Aktionsprogramm, das zum 80-jährigen Jubiläum der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte 2028 verabschiedet werden soll.

 

UN-Hochkommissar für Menschenrechte Volker Türk und Madeleine Bebe aus seinem OHCHR-Büro bei unserem Ausschuss-Gespräch