
Fotos: Screenshots Parlaments-TV
Bitte unbedingt selbst ansehen in der Mediathek des Bundestages:
Die bewegende, berührende, eindrucksvolle, eindringliche Rede von Tova Friedman, einer der letzten Auschwitz-Überlebenden in der Holocaust-Gedenkstunde im Bundestag am Mittwoch.
Sie führt uns tief zurück in das erschütterndste und dunkelste Kapitel ihrer und unserer Geschichte – in die Zeit vor über 80 Jahren, als sie mit fünf Jahren nach Ausschwitz kam, als sie keinen Namen mehr hatte, sondern nur die Nr. 27633 war, als ihr jeden Tag zum Weinen war, aber sie nie geweint hat, weil das den Tod bedeutet hätte.
Sie spricht für alle die, die den Holocaust nicht überlebt haben und nicht mehr Zeugnis ablegen können, und sie sagt: „Ich bin eure Zeugin. Ich bin eure Stimme“.
Tova Friedman macht uns zugleich Hoffnung, dass es mit vereinten Kräften gelingen kann, gelingen muss, uns aus dem Klammergriff des Antisemitismus und Rassismus zu befreien.
„Vergessen ist gefährlich – Neutralität heißt Zustimmung“
Ihre Mahnung: „Vergessen ist niemals neutral. Es ist gefährlich. Neutralität im Angesicht des Hasses ist nicht neutral, es ist Zustimmung.“
Sie selbst arbeitet jeden Tag daran mit, die Erinnerung an den Holocaust wachzuhalten und neuen Hass zu verhindern – vor allem in Schulen, und gemeinsam mit ihrem Enkel Aron auch auf TikTok: TovaTok (@tovafriedman), mit über 520.000 Followern. Und das mit fast 88 Jahren! Was für eine Frau! Was für ein Leben!
#WeRemember – Niemals vergessen
Wir alle dürfen die vielen Millionen Opfer des Holocaust niemals vergessen. Wir dürfen dem Antisemitismus und der Verfolgung von Minderheiten nie wieder Raum geben.
Erinnerung heißt Verantwortung übernehmen.
Deshalb unterstütze ich auch dieses Jahr die Kampagne #WeRemember der UNESCO und des Jüdischen Weltkongresses. Ich möchte damit ein sichtbares Zeichen setzen: gegen das Vergessen, gegen Antisemitismus, Hass, Fremdenfeindlichkeit und Völkermord.
Deshalb setzt auch der Bundestag mit dem Schriftzug „#WeRemember“ vor dem Reichstagsgebäude erneut ein Zeichen gegen das Vergessen.

An eine Zukunft glauben“ – Ausstellung über jüdische Abgeordnete im Bundestag
Deshalb zeigt der Bundestag im Paul-Löbe-Haus auch dieses Jahr wieder eine sehenswerte Ausstellung zum Holocaust-Gedenktag. Sie präsentiert bis zum 6. März Biografien jüdischer Abgeordneter in der parlamentarischen Gründergeneration nach 1945, die unser Land mitgeprägt und an eine Zukunft geglaubt haben – im Fokus stehen dabei die Abgeordneten Jeanette Wolff und Erik Blumenfeld. Die Ausstellung fragt auch, wie unterschiedlich die beiden deutschen Staaten mit Schuld und Verantwortung nach 1945 umgegangen sind.
Weil es heute immer weniger Zeitzeugen des Holocaust wie Tova Friedman gibt, sind Ausstellungen wie diese wichtig, um neue Formen der Erinnerungskultur zu schaffen.
Anmelden für einen Besuch kann man sich hier.
Würden wir heute eine Schweigeminute für jedes Holocaust-Opfer einhalten, wäre es bei uns mehr als 11 Jahre still.