Caritas International: ABC der Humanitären Hilfe:
Mit Benedict Weiß und Marie von Manteuffel von Caritas International, dem Hilfswerk des Deutschen Caritas-Verbandes, habe ich über die aktuellen Herausforderungen durch die globalen Mittelkürzungen für die Humanitäre Hilfe gesprochen, und besonders die Auswirkungen auf die lokalen Partner. So besteht die große Gefahr, dass dadurch wichtige Hilfsstrukturen vor Ort zusammenbrechen, die kaum wieder aufgebaut werden können, auch wenn sich die finanzielle Lage ändern sollte. Auch der gute Ruf und der Einfluss Deutschlands in den Krisenregionen schwindet in der Folge. Das private Spendenaufkommen ist zwar nach wie vor hoch, kann aber die Kürzung staatlicher Mittel nicht ausgleichen.

Im Gespräch mit Benedict Weiß und Marie von Manteuffel von Caritas International
Missverständnisse ausräumen:
2024 konnte Caritas über 9 Mio. Menschen in 73 Ländern helfen, mit rund 106 Mio. Euro. Aber nach wie vor herrschen leider viele Missverständnisse und über die Ziele und die Wirksamkeit humanitärer Hilfe und die Unterschiede zur Entwicklungshilfe.
Humanitäre Hilfe ist eine direkte Reaktion auf Krisen, kriegerische Konflikte und Katastrophen wie Erdbeben oder Fluten und wird immer stärker auch vorbeugend gleistet, z.B. durch rechtzeitige Umsiedlung nach Frühwarnungen – was die Kosten stark verringert. Andererseits müssen viele Flüchtlingscamps 15 Jahre und länger versorgt werden, weil sich Krisen und Konflikte immer länger hinziehen, durch den Klimawandel, Umweltkatstrophen und autoritäre Regime zusätzlich verstärkt werden und keine politische Lösung gefunden wird – Stichwort Polykrisen. Auch Entwicklungszusammenarbeit ist dann kaum noch möglich.
Umso wichtiger bleibt die humanitäre Hilfe, denn sie ist mehr als reine Nothilfe. Sie schafft Vertrauen, stärkt globale Partnerschaften und trägt zur Stabilisierung in Krisenregionen bei.
Mehr Information von A bis Z dazu, was Humanitäre Hilfe ist, was sie bewirkt, und warum Humanitäre Hilfe, Entwicklungshilfe und friedenssichernde Maßnahmen enger verknüpft werden müssen, finden Sie in dieser Übersicht, die die Caritas International zusammengestellt hat:

Ausschnitt aus dem ABC der humanitären Hilfe
World Vision: Humanitäre Hilfe wirkt!
Fiona Uellendahl und Marwin Meier vom Kinderhilfswerk World Vision e.V. – die Deutschlandzentrale ist übrigens in Friedrichsdorf im Hochtaunuskreis – haben bei unserem Treffen besonders auf die Wirksamkeit der humanitären Hilfe hingewiesen, die leider bei politischen Entscheidungen viel zu wenig berücksichtigt wird.
Auch ich bin überzeugt: Gerade in einer Zeit, in der Humanitäre Hilfe um Legitimation ringt, ist es wichtiger denn je, die Bedeutung und Notwendigkeit der Humanitären Hilfe hervorzuheben. Leider zeichnen aktuelle Narrative jedoch ein negatives Bild dieser Hilfe und auch von NGOs wie World Vision oder Caritas International.
World Vision stellt besonders die Hilfe für die Kinder in den Mittelpunkt und ist der größte Umsetzungspartner des UN-Welternährungsprogramms in Krisenregionen. 2024 hat World Vision über 35 Mio. Menschen mit Humanitärer Hilfe erreicht, darunter 19 Millionen Kinder. World Vision ist auch im Sudan aktiv, wo die Menschen wie auf dem Pulverfass sitzen und der Zugang zu Hilfe stark erschwert ist.
Kinder spüren die Auswirkungen der Mittelkürzungen für die humanitäre Hilfe und auch für die Entwicklungshilfe sofort. Diese Mittelkürzungen sind auch für die Geberländer kontraproduktiv. Denn akute und nachhaltige Hilfe ist die wirksamste Form von Zukunftsvorsorge und gleichzeitig eine wichtige Investition in Sicherheit und Wirtschaft.
Hilfe bringt große Rendite von 1:10:
In seiner aktuellen Studie „ODA at the crossroads – Why putting children at the heart will create a brighter future for all“ hat World Vision die nachhaltige Wirkung von Investitionen in Kinder konkret nachgewiesen. Danach erzielt jeder durch ODA, also Entwicklungsleistungen inkl. humanitäre Hilfe, in Kinder investierte Dollar eine Gesamtrendite von 10 USD. Zu den wichtigsten Investitionen zählen dabei Hilfen für Gesundheit, Ernährung, Bildung und Schutzmaßnahmen, am besten in Zusammenarbeit mit lokalen Partnern. Auch die Bedeutung der Hilfe für unsere Sicherheit steht außer Frage. An der Erhöhung der staatlichen ODA-Mittel insbesondere für Kinder führt deshalb kein Weg vorbei.
Fiona Uellendahl und Marwin Meier betonten auch, dass die Einbeziehung von NGOs wie World Vision in die Reform des humanitären Hilfesystems sehr wichtig ist. Wir bleiben in Kontakt!

Im Gespräch mit Fiona Uellendahl und Marwin Meier vom Kinderhilfswerk World Vision