
Gemeinsam mit unseren Gästen aus dem Sudan: Eatizaz Yousif/Sudan-Länderdirektorin International Rescue Committee, Moderatorin Gelila Enbaye/Global Public Policy Institute und Mohamed Abdiladif/ Sudan-Länderdirektor Save the Children (vlnr)
Auch wenn in der Öffentlichkeit die Bilder aus Gaza und dem Ukraine-Krieg dominieren: Die weltweit größte Flüchtlingskrise und Hungerkatastrophe spielt sich aktuell im Sudan ab – weitgehend unbeachtet von den Augen der Welt. Es ist wichtig, dass dieser Konflikt nicht von der Öffentlichkeit vergessen wird, und dass wir alles uns Mögliche tun, um dieses Elend zu beenden.
Parlamentarisches Frühstück mit „Save the Children“
Sehr gerne habe ich deshalb am Mittwochmorgen die Schirmherrschaft für ein Parlamentarisches Frühstück von Save the Children zum Thema „Sudan – Humanitäre Lage und Einblicke von vor Ort“ übernommen. Gemeinsam mit Expertinnen und Experten aus dem Sudan haben wir über das Ausmaß und über politische Handlungsoptionen für Auswege aus der humanitären Katastrophe diskutiert.
Unermessliches Leid der Bevölkerung
Der Krieg zwischen der sudanesischen Armee und den paramilitärischen Rapid Forces im Sudan dauert bereits über zwei Jahre an – verbunden mit wachsenden ethnischen Konflikten, mit
verheerenden Folgen und unvorstellbarem Leid für die Zivilbevölkerung und über 150.000 Toten. Ein Ende ist derzeit nicht abzusehen.
Seit der Erklärung des Menschenrechtsausschusses Ende 2024 zum Sudan hat sich die Lage weiter verschärft. Inzwischen sind über 14 Mio. Menschen auf der Flucht, teilweise auch auf dem Weg nach Europa. Rund 30 Mio. Menschen – zwei Drittel der Bevölkerung – sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Humanitäre Organisationen werden systematisch am Zugang gehindert, während lokale Initiativen unter Lebensgefahr versuchen, die Menschen zu versorgen.
Krieg gegen Kinder
Aber ganz besonders ist es ein Krieg gegen Kinder, wie Eatizaz Yousif vom International Rescue Committee, Mohamed Abdiladif von Save the Children und Gelila Enbaye vom Global Public Policy Institute betonten.
16 Mio. Kinder brauchen humanitäre Hilfe.
14 Mio. Kinder – das sind 75% aller Kinder – können nicht zur Schule gehen.
Millionen von Kindern wurden außerdem von ihren Familien getrennt, sind Opfer von Mangelernährung, Hunger, Krankheiten, Rekrutierung, Gewalt und sexuellem Missbrauch, leben in Flüchtlingslagern.

Mädchen und junge Frauen sind besonders gefährdet, wie Hala Salah, Jugendaktivistin von Plan International Sudan per Video-Zuschaltung direkt aus dem Sudan berichtete.
Selbst wenn sie heute überleben: Welche Zukunftschancen haben sie noch?
Was können wir tun?
Wie können wir, gemeinsam mit Partnern aus der Region wie Ägypten, Saudi-Arabien und den Emiraten, helfen, einen Waffenstillstand zu erreichen?
Wir können wir den Kindern und allen anderen Opfern des Kriegs im Sudan helfen, wieder eine Lebensperspektive zu finden?
Wie können wir insbesondere Bildung sicherstellen, einen der wichtigsten Rettungsanker für die Zukunft?
Wie können wir den Zugang zu humanitärer Hilfe verbessern?
Wie können wir zivile sudanesische Hilfsorganisationen stärken?Wie können wir mithelfen, dass alle Kriegsverbrechen dokumentiert werden, damit die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden können?
Fragen, die einen Tag später auch auf der Berliner Fachkonferenz „Sudan – Frieden und humanitären Schutz zivil Denken“ diskutiert wurden, und auf die wir dringend eine Antwort finden müssen.

Herzlichen Dank an alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer für diesen wichtigen Austausch!